Renate Kynast, Ursula von der Leyen, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Gesine Lötzsch, Andrea Nahles – diese fünf Frauen besetzen jeweils bedeutende Positionen bei einer der fünf wichtigsten deutschen Parteien und man braucht nicht allzu lange, um solch eine Liste im Kopf zusammen zu stellen. Doch dies ist hat sich erst in jüngster Zeit so ergeben? Wer waren eigentlich die erfolgreichen Wegbereiterinnen für eine gewichtige weibliche Mitsprache in der Politik?
Frühe weibliche Politiker in Spitzenämtern
Demokratische Verfassungen gibt es zwar schon seit über 200 Jahren, das Frauenwahlrecht wurde in fast allen modernen Staaten aber erst nach Ende des ersten Weltkriegs, zum Teil auch bedeutend später eingeführt. Frauen hatten daher auch erst ab diesem Zeitpunkt, die Chance sich überhaupt in politische Parlamente bzw. Ämter wählen zu lassen. Die allererste Ministerin eines Regierungskabinetts war die damalige sowjetische Sozialministerin Alexandra Michailowna Kollontai, die zum revolutionären Kabinett der Bolschewiki nach dem Sturz des Zaren im Oktober 1917 gehörte.
Die erste demokratisch gewählte Ministerpräsidentin kam mit Sirimavo Bandaranaike aus dem asiatischen Inselstaat Sri Lanka. Gut 20 Jahre, verteilt auf drei Amtszeiten zwischen 1960 und 2000, hielt sie die Staatsgeschicke ihres Landes in den Händen. Die indische zweimalige Premierministerin Indira Gandhi war eine der ersten wirklich bedeutenden Politikerinnen in der internationalen Wahrnehmung. Als weltgewandte und doch bürgernahe Regierungschefin war sie bei den unterschiedlchen Religionen beliebt, bekämpfte erfolgreich Lebensmittelkrisen und löste den gefährlichen indisch-pakistanischen Konflikt 1971 hervorragend. Spätere inländische Querelen zwischen Volksstämmen setzten aber auch Gandhi zu, die 1984 von den eigenen Leibwächtern erschossen wurde. Eine ähnlich bewegende und konfliktreiche Amtszeit hatte die zeitweise Außen- und Premierministerin Israels Golda Meir.
Frauen in der Politik werden erst spät zur Selbstverständlichkeit
In Europa hat sich die Etablierung von Politikerinnen noch um einiges hinausgezögert. Annemarie Renger hatte als Bundestagspräsidentin das erste hohe gesamtdeutsche Amt zwischen 1972 und 1976 inne. Margaret Thatcher führte ab 1979 zwölf Jahre lang als eisenharte britische Premierministerin die Geschicke ihres Landes. Ihre Rolle ist heute noch umstritten. Einerseits stand sie mit einer Wirtschaftspolitik der Deregulierung für Wachstum und geringe Inflation ein. Andererseits machte sie Gewerkschaften und Arbeitern das Leben schwer und brachte das britische Sozialsystem ins Wanken.
Auch in den politisch so fortschrittlichen Vereinigten Staaten dauerte es sehr lange, bis Frauen zu einem hohen Amt kamen. Erst 1997 wurde mit Madeleine Albright eine Frau Außenministerin und somit auch erstmals eine US-amerikanische Politikerin im Ausland nennenswert wahrgenommen. Ihr folgte wenig später Condoleeza Rice. Aktuell ist Hillary Clinton, die Frau des früheren Präsidenten Bill Clinton, Außenministerin. Sie war sogar gegen Barack Obama zum innerparteilichen Vorwahlkampf um die Präsidentschaftskandidatur angetreten und hätte im Fall eines Sieges sicherlich gute Chance gegen den Republikaner John McCain gehabt.
Weitere erwähnenswerte Politikerinnen sind zum Beispiel die aktuell mit 12 Jahren am längsten regierende Staatschefin Finnlands, Tarja Halonen, die erste Staatschefin Lateinamerikas, die aktuell in Argentinien regierende Cristina Fernandez de Kirchner oder die gescheiterte Revolutionsführerin Julija Tymoschenko aus der Ukraine, die mittlerweile in Haft sitzt.
Frauen in der Politik: Wie sieht die Zukunft aus?
Keine Frage: Frauen haben in der Politik unseres Landes heutzutage ihren selbstverständlichen Platz und reden gewichtige Wörtchen mit. Nicht umsonst hat mit Angela Merkel derzeit auch eine Frau das verantwortungsvollste politische Amt überhaupt in Deutschland inne. Doch bis zu dieser erfreulichen Situation war ein weiter Weg zu gehen. Und auch jetzt noch überwiegt der Männeranteil in der Politik deutlich. Es wird sich zeigen, ob Frauen weiter Selbstvertrauen aufbauen, um eine noch bessere Repräsentanz in demokratisch gewählten Regierungen zu gewinnen.
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